Brokerkontotypen – Konten anhand ihrer Parameter vergleichen

Zwei Konten mit demselben Namen können sehr unterschiedliche Bedingungen haben. „Standard“, „Raw“, „ECN“ und „Pro“ sind Handelsbezeichnungen. Vergleichen Sie deshalb vor der Auswahl Spread, Provision, Kontraktgröße und Ausführungsbedingungen. Mit diesen Parametern lassen sich Angebote für dasselbe Marktengagement vergleichen. Dieser Artikel führt durch die wichtigsten Spezifikationsfelder und berechnet anhand durchgerechneter Beispiele die Kosten für Eröffnung und Schließung einer Position. Er erläutert außerdem, wie sich ein Cent-Konto von einem Standardkontrakt unterscheidet, was bei einem Swap-Free-Konto zu prüfen ist und weshalb ein Konto namens „Pro“ Sie nicht zum professionellen Kunden macht. Ein Vergleichsformular und die häufigsten Marketingfallen ergänzen den Leitfaden.

Spezifikation + Gebühren + Kundenstatus
Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • Der Kontoname ist eine Handelsbezeichnung, keine Spezifikation – vergleichen Sie Kontraktgröße, Tickwert, Volumenschritt, Marginanforderung, Handelszeiten und Swap-Punkte. Zwei „ECN“-Konten bei zwei Brokern können einen unterschiedlichen Spread, eine unterschiedliche Provision und ein unterschiedliches Ausführungsmodell haben
  • Eine einheitliche Kostenkonvention – der Spread fällt einmal je Round Turn an, da Sie zum Ask kaufen und zum Bid verkaufen. Die Provision fällt zweimal an, wenn der Broker sie je Handelsseite berechnet
  • Die Kostenschwelle ist eine Spread-Differenz, kein Volumen – das Provisionskonto ist günstiger, wenn die Spread-Differenz mal Pipwert die Round-Turn-Provision übersteigt. Bei 6,00 USD Provision und 10 USD Pipwert liegt die Schwelle bei 0,60 Pips – bei 5 Lots im Monat ebenso wie bei 500, solange die Rechnung weder einen festen Bestandteil enthält (Plattformgebühr, Mindestprovision, Inaktivitätsgebühr, Kosten für die Aufrechterhaltung einer Mindesteinlage) noch gestaffelte Provisionen, die den Satz je Lot selbst verändern. Die Mindesteinlage ist selbst kein Kostenfaktor; die Kosten entstehen durch die Kapitalbindung bei einem Unternehmen (Abschnitt 8)
  • Ein Swap-Free-Konto bedeutet keine kostenfreie Positionshaltung – prüfen Sie Verwaltungsgebühr, Schonfrist, erfasste Instrumente und die Bedingungen, unter denen der Status entfällt
  • Ein Konto namens „Pro“ ändert Ihre regulatorische Einstufung nicht – MiFID II ordnet jeden Kunden einer von drei Kategorien zu; die Preisstufe eines Brokers gehört nicht dazu. Einige nationale Aufsichten schaffen außerdem innerhalb der Privatkundenkategorie eine Unterkategorie, die nur die Anfangsmargin senkt. Die polnische Maßnahme von 2019 ist ein solches Beispiel[3]. Prüfen Sie, ob Ihre eigene Aufsicht eine vergleichbare Regelung hat; setzen Sie deren Existenz niemals voraus
  • Füllen Sie vor der Kontoeröffnung vier Felder aus – juristische Person, Aufsichtsbehörde, Dokumentname und Lesedatum. Ohne diese Angaben vergleichen Sie Marketingmaterial statt Vertragsbedingungen

1. Unterschiede zwischen Kontotypen – was in der Spezifikation steht

Broker geben Konten Namen wie Standard, ECN, Pro, Raw, Zero, VIP oder Cent. Diese Namen sind nicht standardisiert. Keine Aufsicht legt fest, was ein „ECN“-Konto enthalten muss oder wie sich „Pro“ von „VIP“ unterscheidet. Zwei gleichnamige Konten bei zwei Brokern können unterschiedliche Kostenstrukturen, unterschiedliche Ausführungsmodelle und eine unterschiedliche Mindestmargin haben. Namen zu vergleichen bedeutet daher nicht, Angebote zu vergleichen. Der Vergleich beginnt mit einer Parametertabelle aus den Dokumenten eines konkret benannten Unternehmens, gelesen an einem bestimmten Tag.

Eine Kostenkonvention für den gesamten Artikel. Der Spread fällt einmal je Round Turn an: Sie kaufen zum Ask und verkaufen zum Bid, sodass die Differenz die Position genau einmal belastet. Die Provision fällt zweimal an, wenn der Broker sie je Handelsseite berechnet – dann ist der Satz je Round Turn (RT) doppelt so hoch wie der Satz je Seite. Daraus ergibt sich die folgende Formel:

Round-Turn-Kosten = Spread [Pips] × Pipwert [USD/Pip] + RT-Provision [USD]

Dieselbe Konvention gilt in Artikel 12.4 über tatsächliche Handelskosten. Die vollständige Aufschlüsselung der Gesamtkosten einschließlich Slippage, Finanzierung, Währungsumrechnung und Kontogebühren gehört dorthin. Hier dient die Rechnung einer einzigen Entscheidung: welcher Kontotyp.

Sechs Parameter als Ausgangspunkt des Vergleichs:

  • Spread-Modell – als fest, variabel mit Brokeraufschlag oder Raw angegeben. Das Etikett „Raw“ allein beweist nicht, dass Sie aufschlagsfreie Kurse externer Anbieter sehen. Entnehmen Sie die Kursquelle den Ausführungsgrundsätzen und den Informationen über Ausführungsplätze. Prüfen Sie den typischen oder durchschnittlichen Spread zu Ihren Handelszeiten, nicht das Werbeminimum
  • Provision – null (die Kosten stecken im Spread), ein Satz je Lot oder ein gestaffelter Satz. Klären Sie vor jedem Vergleich die Berechnungsgrundlage: 3,50 USD je Seite sind 7,00 USD je Round Turn. Beide Zahlen bezeichnen genau dieselben Kosten
  • Mindestvolumen und Volumenschritt – bei einer Kontraktgröße von 100.000 Einheiten der Basiswährung entsprechen 0,01 Lot 1000 Einheiten, 0,1 Lot 10.000 und 1,0 Lot 100.000. Die Kontraktgröße selbst ist aber weder eine Konstante noch eine Eigenschaft des Kontonamens. Sie ist ein vom Broker festgelegter Parameter des konkreten Instruments. Lesen Sie deshalb im Feld Kontraktgröße (Contract size) nach, bevor Sie etwas umrechnen. Der Volumenschritt bestimmt, wie genau Sie die Positionsgröße auf das Risiko abstimmen können
  • Ausführungsmodell – bei Privatkundenkonten sind meist drei Modi relevant: Market Execution (der Broker bestimmt den Ausführungskurs; mit dem Absenden stimmen Sie diesem Kurs im Voraus zu), Instant Execution (die Plattform versieht den Auftrag mit einem Kurs; der Broker nimmt ihn an oder sendet einen Requote) und Request Execution (vor dem Absenden werden Kurse beim Broker angefragt; Sie bestätigen die Ausführung). Die Bezeichnungen STP und „ECN“ sind keine Namen von Ausführungsmodi. Sie beschreiben die Weiterleitung des Auftragsstroms und ersetzen nicht die Ausführungsgrundsätze (Abschnitt 9). Den Modus legt der Broker fest; Sie entnehmen ihn der Instrumentspezifikation. Die vollständige Liste der Modi mit ihrer dokumentarischen Grundlage gehört in Artikel 12.6, die Messung des Ergebnisses in Artikel 12.3
  • Marginanforderung – der geforderte Prozentsatz des Nominalwerts der Position. Das ist keine Eigenschaft des Kontonamens: Bei CFDs für Privatkunden richtet sie sich nach Kundenstatus, Basisinstrument und anwendbaren nationalen Maßnahmen. Grenzüberschreitend sind die Maßnahmen des Zulassungsstaats des Anbieters sowie des Staates, in dem sich der Kunde befindet, jeweils nach ihrem territorialen Geltungsbereich zu prüfen. Weder Kontoname noch allein der Sitzstaat des Anbieters entscheiden darüber (Abschnitt 7)
  • Swap-Punkte – Kosten oder Gutschrift für das Halten einer Position über Nacht, getrennt für Long und Short angegeben, einschließlich des Tages der dreifachen Finanzierungsbelastung. Bei Positionen, die länger als eine Sitzung gehalten werden, kann dieser Parameter den gesamten Kostenunterschied der verglichenen Kontotypen übersteigen (Abschnitt 8)
Sechs Parameter eines Forex-Kontos
Eine Handelsbezeichnung verweist auf ein Dokument; das konkrete Angebot bestimmt die Werte. Rechtseinheit, Quelldokument, Fassung und Lesedatum festhalten.

Die Instrumentspezifikation – Ausgangsdokument des Vergleichs

Die Instrumentspezifikation in der Plattform (in MetaTrader: Rechtsklick auf das Symbol → Spezifikation) und das Gebührenverzeichnis des Brokers sind die zwei Dokumente, die jeden Streit über die Kontokosten entscheiden. Die folgende Tabelle zeigt die gesuchten Felder und warum jedes davon wichtig ist.

SpezifikationsfeldBedeutungAuswirkung
Kontraktgröße (Contract size)Wie viele Einheiten des Basisinstruments 1 Lot bildenMultiplikator für alles Weitere: Pipwert, Provision und erforderliche Margin
Tickgröße (Tick size, kleinster Kursschritt)Kleinste Änderung der NotierungKursauflösung; bei einer fünfstelligen Notierung entspricht ein Pip zehn Ticks
Tickwert (Tick value)Geldwert eines Kursschritts bei 1 LotRechnet eine Kursbewegung direkt in ein Ergebnis in Kontowährung um
Mindestvolumen / VolumenschrittMindestvolumen und dessen ÄnderungsintervallFeinheit der Risikosteuerung; bei 0,1 Lot Schrittweite ist eine Position von 0,15 nicht möglich
MarginZur Positionseröffnung erforderlicher Anteil des NominalwertsKapitalbindung einer Position; abhängig von Kundenstatus und Instrument
HandelszeitenNotierungszeitfenster des Instruments einschließlich ServerzeitzonePausen- und Rollover-Zeitfenster mit der stärksten Spreadausweitung
SymbolsuffixEndung des Symbolnamens, die etwa Kontovarianten unterscheidetHinweis auf zwei unterschiedliche Spezifikationen desselben Instruments beim selben Broker
Mindestabstand (Stops level)Kleinster Abstand zum aktuellen Kurs, in dem ein schwebender Auftrag platziert oder ein Schutzniveau – Stop Loss oder Take Profit – festgelegt werden kannBegrenzt enge Absicherungsaufträge bei kurzen Kurszielen. In der Plattform: das Feld Mindestabstand (Stops level) im Fenster der Symbolspezifikation
Sperrabstand (Freeze level)Abstand zum aktuellen Kurs, innerhalb dessen Vorgänge an einem bereits bestehenden Auftrag oder einer Position gesperrt sind. Innerhalb dieser Zone können Sie weder einen schwebenden Auftrag ändern oder löschen noch dort liegende Schutzniveaus verschiebenEntscheidet, ob sich ein Auftrag kurz vor seiner Auslösung noch zurückziehen lässt. In der Plattform: das Feld Sperrabstand (Freeze level) im Fenster der Symbolspezifikation
Swap Long / Swap Short + EinheitSwap-Satz getrennt für Long und Short, angegeben in Punkten, Prozent oder WährungKosten der Positionshaltung über Nacht; ohne Einheit lässt sich die Zahl nicht vergleichen
Tag der DreifachbelastungTag, an dem drei Finanzierungstage berechnet werden; bei Währungspaaren mit T+2-Abwicklung normalerweise Mittwoch – in der Spezifikation bestätigenÄndert die Zahl der Finanzierungstage in der Rechnung einer mehrtägigen Position
Illustrative EUR/USD-Instrumentspezifikation mit Kontraktgröße, Mindestvolumen und Volumenschritt, Tick- und Pipgröße sowie Pipwerten bei unterschiedlichen Volumina
Veranschaulichende Spezifikation: Lesen Sie neben Kontraktgröße und Volumen auch die Gebühreneinheit und die Long-/Short-Swap-Bedingungen. Dies ist kein authentischer Screenshot einer Handelsplattform.
Derselbe Broker, zwei Spezifikationen desselben Symbols. Dasselbe Basisinstrument kann unter zwei Symbolen angeboten werden – etwa einem Basissymbol und einer Variante mit Raw-Konto-Suffix. Unterscheiden können sich Spread, Swap-Satz, Mindestvolumen, erforderliche Margin, Handelszeiten, Mindestabstand und Sperrabstand. Prüfen Sie vor dem Vergleich zweier Broker, ob Sie bei einem davon überhaupt die richtigen Symbole vergleichen. Wenn die Marktübersicht (Market Watch) zwei Varianten desselben Währungspaars zeigt, öffnen Sie beide Spezifikationen und vergleichen Sie sie anhand der Felder in der obigen Tabelle nebeneinander.
Prüfregel: Schreiben Sie vor der Kontoeröffnung aus Geschäftsbedingungen, Preisverzeichnis und Spezifikation die Werte der sechs genannten Parameter heraus – für das tatsächlich gehandelte Instrument und den erwogenen Kontotyp. Nennt der Broker einen Parameter in keinem Dokument, ist dieses Fehlen ein Vergleichsergebnis, keine durch Vermutungen zu füllende Lücke.

2. Das Standard-Konto

Unter Standard versteht ein Broker meist eine Variante ohne separate Provision, bei der die gesamten Tradekosten im Spread stecken. Auch das ist aber eine im Preisverzeichnis zu prüfende Aussage, keine Definition. Der Kunde sieht eine Zahl, den Brokerkurs, in dem die Kosten schon enthalten sind. Woraus dieser Kurs besteht und welchen Aufschlag er enthält, bestimmen Ausführungsgrundsätze und Preisverzeichnis eines konkret benannten Unternehmens, nicht der Kontoname. Die Aufschlagshöhe ist ein Angebotsparameter, keine Marktkonstante. Entnehmen Sie sie dem Preisverzeichnis Ihres Unternehmens und vergleichen Sie den typischen Spread mit der Plattformanzeige zu Ihren eigenen Handelszeiten.

Bei einem Standard-Lot EUR/USD (100.000 Einheiten) ist ein Pip 10 USD wert. Ein Spread von 1,20 Pips bedeutet daher 12,00 USD Kosten je Round Turn – nicht 24,00 USD, weil Sie die Differenz zwischen Bid und Ask einmal überqueren. Bei 50 Lots monatlich sind das 600 USD im Monat; bei 200 Lots 2400 USD im Monat. (Werte zur Veranschaulichung)

Eine einfache Struktur ist nicht dasselbe wie ein niedriger Preis. Fehlt im Kontoverlauf eine Provisionszeile, heißt das nur, dass die Kosten nicht separat ausgewiesen werden. Ein eigener Provisionseintrag ist sichtbar, ein breiterer Spread nicht. Diesen Unterschied in der Sichtbarkeit gewichten viele stärker als die errechneten Kosten – obwohl gerade diese die Frage entscheiden.

Der Gesamtkostenunterschied in Zahlen. Ein Spread von 1,20 Pips bei 200 Lots im Monat (2400 Lots jährlich) ergibt 28.800 USD im Jahr. Ein Raw-Konto mit denselben Annahmen – 0,20 Pips Spread und 6,00 USD Provision je Round Turn – kostet beim selben Volumen 4800 USD Spread plus 14.400 USD Provision, insgesamt 19.200 USD. Die Differenz beträgt 9600 USD jährlich. Das ist der Unterschied zwischen den Gesamtkosten zweier Angebote, kein gemessener Aufschlag: Welchen Aufschlag die Kurse beider Konten enthalten, lässt sich aus einem Spread-Vergleich nicht ableiten (Abschnitt 3). (Beispielwerte; die Annahmen stehen im Kasten in Abschnitt 8)

Ein als fest deklarierter Spread. Ein fester Spread weitet sich definitionsgemäß nicht aus. Sehen Sie doch eine Ausweitung in der Plattform, erlaubt der Vertrag eine Ausnahme. Die Klausel nennt dann die Umstände: Datenveröffentlichungen, Rollover-Zeiten, Wiedereröffnung nach dem Wochenende oder außergewöhnliche Ereignisse. Bevor Sie einen Spread als fest behandeln, lesen Sie diese Klausel in den Geschäftsbedingungen und prüfen Sie, ob sie für Ihr Instrument gilt.

Im Spread enthaltene Kosten
EUR/USD • 1 Lot = 100.000 EUR • 1 Pip = 10 USD. Veranschaulichendes Beispiel: Parameter aus Ihrer eigenen Kontospezifikation einsetzen.

3. Das Raw-/„ECN“-Konto

Das Raw-Konto (bei manchen Brokern ECN, Zero oder Razor) ist eine Preisvariante, bei der der Broker einen engen Spread angibt und einen Kostenbestandteil separat ausweist: die Provision. Der Name legt aufschlagsfreie Kurse von Liquiditätsanbietern nahe. Das lässt sich aber nicht anhand einer Spread-Tabelle prüfen. Entscheidend sind zwei Dokumente: Ausführungsgrundsätze und Informationen über Ausführungsplätze. Manche Unternehmen nennen sich darin selbst als einzigen Ausführungsplatz. Dann stammt der Kurs von ihnen und nicht aus einem externen Pool, unabhängig vom Kontonamen. Das ändert jedoch nicht die Vergleichsmethode: Sie vergleichen die Summe aus Spread und Provision, nicht nur den Spread.

Eine Provision von 7,00 USD erscheint im Plattformverlauf als eigene, sofort sichtbare Position. Kosten in einem breiteren Spread – hier 1,50 Pips, also 15,00 USD für denselben Round Turn – haben keine eigene Zeile und werden deshalb leicht übersehen. Sichtbarkeit misst aber nicht die Höhe; diese beiden Kosten werden nicht unmittelbar miteinander verglichen. Beim Raw-Konto kommt dessen eigener Spread zur Provision hinzu, und erst diese Summe ist vergleichbar (Rechnung in Abschnitt 8). Der Kontostand unterscheidet nicht zwischen sichtbaren und versteckten Kosten: Er zählt nur die Gesamtkosten von Einstieg und Ausstieg. (Werte zur Veranschaulichung)

Provision: je Seite oder je Round Turn

Provisionen werden nach zwei Konventionen veröffentlicht. Ohne Vereinheitlichung ist der Vergleich sinnlos. Ein Satz je Seite belastet Eröffnung und Schließung einer Position separat. Ein Satz je Round Turn deckt beide Seiten zusammen ab. Die Umrechnung ist eine einzige Multiplikation:

RT-Provision = 2 × Provision je Seite

3,50 USD je Seite sind 7,00 USD je Round Turn. Enthält das Preisverzeichnis weder „per side“ (je Seite) noch „round turn“, fragen Sie den Broker schriftlich und dokumentieren Sie die Antwort mit Datum. Davon hängt ab, ob Sie die ganzen Kosten oder nur deren Hälfte vergleichen. Prüfen Sie auch die Währung des Satzes und ob er auf Lotvolumen oder Positionsnominalwert erhoben wird.

Die effektiven Round-Turn-Kosten. 0,20 Pips Spread bei EUR/USD und 6,00 USD Provision je Round Turn ergeben 0,20 × 10 USD + 6,00 USD = 8,00 USD. Ein Standard-Konto mit 1,20 Pips Spread kostet 12,00 USD. Die Differenz beträgt 4,00 USD je Lot und ist konstant: bei fünf Lots monatlich ebenso wie bei fünfhundert. (Werte zur Veranschaulichung)

Top of Book gegenüber dem durchschnittlichen Ausführungskurs. Der beworbene Spread gilt für die erste Buchstufe. Ein Auftrag, der das dort verfügbare Volumen übersteigt, greift auf die nächsten, schlechteren Kurse tieferer Stufen zu. Der durchschnittliche Ausführungskurs (VWAP) fällt deshalb schlechter aus als der Kurs vor dem Klick. Im Retail-FX haben Sie keinen Einblick in das vollständige Buch: Sie sehen die Kursliste des Brokers, nicht die Liquiditätstiefe seiner Anbieter.

Sichtbare Tiefe: ein Ausführungsbeispiel
Vom Broker bereitgestellte Kurse, nicht das vollständige Orderbuch des globalen Devisenmarkts. Veranschaulichendes Modell. Die angezeigte Menge garantiert keine Ausführung; es gelten die Anbieterbedingungen.

„Ab 0,0“ ist ein Mindestwert, kein typischer Wert. Für Sie zählt der durchschnittliche Spread in Ihrem tatsächlichen Handelsfenster. Der Spread verändert sich zwischen Sitzungen und weitet sich beim Rollover aus, während die Provision konstant bleibt. Deshalb variiert der Anteil der einzelnen Kostenbestandteile je nach Tageszeit. Veröffentlicht der Broker nur das Minimum, fragen Sie nach dem Durchschnittsspread oder messen Sie ihn selbst anhand eines Exports Ihrer Trades. Das Messverfahren beschreibt Artikel 12.3.

Standard und Raw: gleiche Exposition
EUR/USD • 1 Lot • 10 USD/Pip • RT-Provision umfasst Einstieg und Ausstieg. Veranschaulichendes Beispiel: Parameter aus Ihrer eigenen Kontospezifikation einsetzen.
„ECN“ ist im Retail-FX eine Marketingkurzform. In Privatkundenangeboten ist ein „ECN-Konto“ die Handelsbezeichnung einer Preisvariante mit engem Spread und separater Provision, keine Aussage über den Zugang zu einem Electronic Communication Network im institutionellen Sinne. Was mit einem Auftrag geschieht, bestimmen die Ausführungsgrundsätze, nicht der Kontoname. Die auf einer Retail-Plattform angezeigte Markttiefe muss nicht die vollständige Interbankentiefe darstellen. Die Quelle dieser Angebote hängt von Brokermodell und Konfiguration ab: teils sind es aggregierte Kurse vertraglich gebundener Liquiditätsanbieter, teils die eigenen Kurse des Brokers. Der Bildschirm allein entscheidet das nicht, sondern die genannten Dokumente einschließlich der Informationen über Ausführungsplätze.

Fünf Fragen zu den Bedingungen des Kontos mit dem engsten Spread

Ein Raw-Konto kann an Bedingungen geknüpft sein, die in einer Spread-Tabelle unsichtbar bleiben. Prüfen Sie vor Ihrer Entscheidung in Geschäftsbedingungen und Preisverzeichnis:

  • ob eine Mindesteinlage oder ein Mindestumsatz einzuhalten ist und was bei Unterschreitung geschieht;
  • ob eine Inaktivitätsgebühr anfällt und nach welchem Zeitraum;
  • ob bestimmte Handelsweisen eingeschränkt sind, etwa sehr kurze Haltedauern, Latenzarbitrage, automatisierte Strategien oder Hedging innerhalb eines Kontos;
  • auf welcher Grundlage der Broker die Kontobedingungen ändern darf und mit welcher Vorankündigungsfrist;
  • wie sich der Swap-Satz dieses Kontos im Vergleich zum provisionsfreien Konto verhält. Hier kann sich der Kostenunterschied bei mehrtägigen Positionen umkehren (Abschnitt 8).

Notieren Sie die Antworten zusammen mit Lesedatum und Dokumentname. Vertragsbedingungen sind ein Angebotsparameter – sie ändern sich schneller als die in diesem Artikel beschriebenen Mechanismen.

4. Das Pro-/VIP-Konto

Ein Konto namens „Pro“ macht Sie nicht zum professionellen Kunden. Das sind zwei unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichen Folgen. „Pro“, „Professional“, „Premium“, „VIP“, „Prime“ und „Institutional“ sind Handelsbezeichnungen von Preisvarianten; der Broker vergibt sie und kann sie ändern. Die MiFID-II-Kundeneinstufung als Privatkunde, professioneller Kunde oder geeignete Gegenpartei ist dagegen ein eigener regulatorischer Rechtsrahmen: Ein Wechsel erfordert ein gesondertes Verfahren, einen Antrag und die Erfüllung von Kriterien und verändert den Umfang Ihres Schutzes (Abschnitt 7). Sie können ein „Pro“-Konto haben und Privatkunde bleiben. Ebenso können Sie professioneller Kunde auf einem „Standard“-Konto sein.

Das Pro-Konto ist eine Preisvariante, für die der Broker meist eine Zugangsvoraussetzung festlegt. Eine universelle Produktanforderung gibt es jedoch nicht. Bei manchen Unternehmen genügt eine Mindesteinlage; andere verlangen zusätzlich Umsatz oder Aktivität, und manchmal ist die Schwelle nur symbolisch. Welche Bedingung in Ihrem Fall in welcher Höhe gilt, entnehmen Sie dem Preisverzeichnis und den Bedingungen Ihres Unternehmens einschließlich der Regeln zum Statuserhalt, statt einen Tabellenwert aus einem Marktvergleich zu übernehmen. Dafür sollen Sie eine niedrigere Provision, manchmal einen engeren Spread und zusätzlichen Service erhalten. Bestätigen Sie Provision und Spread im Preisverzeichnis, den Serviceumfang in den Geschäftsbedingungen oder einer schriftlichen Brokerauskunft.

Die Rechnung ist einfach und enthält auf der Provisionsseite selbst keine Volumenschwelle. Eine um 2,50 USD niedrigere Round-Turn-Provision spart bei gleichem Spread 2,50 USD je Lot: bei 20 Lots monatlich 50 USD, bei 500 Lots 1250 USD im Monat. Hat das Konto mit niedrigerer Provision auch einen engeren Spread, berechnet sich die Differenz aus den vollständigen Round-Turn-Kosten statt allein aus der Provision (Rechnung in Abschnitt 8). Die Richtung bleibt in beiden Fällen gleich; nur das Gewicht des Betrags im Verhältnis zu Ihrem Konto verändert sich. Die Frage lautet daher nicht „Ab wie vielen Lots?“, sondern „Rechtfertigt die Ersparnis, die erforderliche Einlage bei einem Unternehmen zu binden?“ Diese Entscheidung wird in Abschnitt 8 durchgerechnet. (Werte zur Veranschaulichung)

Der Kontobetreuer – klären Sie, wessen Interessen er vertritt. Fragen Sie direkt, ob seine Vergütung an Ihren Handelsumsatz gekoppelt ist. Diese Frage sollte der Broker beantworten können; die Antwort zeigt, wessen Interesse ein Anruf nach einer ruhigen Phase vertritt. Vertrieb ist keine Anlageberatung. Beratung ist eine gesonderte Wertpapierdienstleistung auf Vertragsgrundlage mit einem anderen System von Kundenpflichten. Empfiehlt ein Betreuer konkrete Trades, fragen Sie nach der vertraglichen Grundlage dieser Dienstleistung.

Manche Broker bieten eine Zwischenvariante: reduzierte Provision bei niedrigerer Mindesteinlage, ohne Betreuer und ohne „Pro“-Etikett. Suchen Sie sie im Preisverzeichnis, nicht in den Angebotsüberschriften. Niedrigere Provision und bessere Ausführungsqualität sind zwei verschiedene Dinge. Die erste entnehmen Sie einem Dokument; die zweite lässt sich nur anhand eigener Trades messen.

Pro / VIP: Preis und Zugangsvoraussetzungen
Beispiel: Gesamtkosten statt nur Provision vergleichen. Veranschaulichendes Beispiel: Parameter aus Ihrer eigenen Kontospezifikation einsetzen.

5. Das Cent-/Micro-Konto

„Cent“ und „Micro“ sind zwei Handelsbezeichnungen, keine einheitliche, und keine davon legt die Kontraktgröße fest. Die Kontraktgröße ist ein vom Broker festgelegter Parameter eines konkreten Instruments – Sie entnehmen sie dem Feld Kontraktgröße (Contract size) in der Symbolspezifikation, genauso wie bei jedem anderen Konto. Bei manchen Unternehmen bedeutet „Micro“ lediglich, dass 0,01 Lot Volumenschritt verfügbar sind, während die Kontraktgröße 100.000 Einheiten bleibt; bei anderen bezeichnet es ein Konto mit verkleinerter Kontraktskala. Entscheidend ist die Spezifikation, nicht die Angebotsüberschrift.

Diese Konten betreffen einen einzigen Mechanismus: Das Marktengagement einer Position ist das Produkt aus Kontraktgröße und Volumen; der Pipwert skaliert mit der Kontraktgröße. Beträgt die Kontraktgröße in der Spezifikation 1000 Einheiten der Basiswährung, beträgt der Pipwert bei EUR/USD 0,10 USD statt 10 USD. Ein Mindestvolumen von 0,01 Lot entspricht dann 10 Einheiten Marktengagement. Erst diese Skala erlaubt den Schritt aus der Simulation mit einstelligen Dollarbeträgen. Beträgt die Kontraktgröße 100.000, ändert der Kontoname an dieser Umrechnung nichts. Dann müssen Sie die Skala allein über das Volumen herstellen. (Beispielwerte – eigene Werte aus der Spezifikation einsetzen)

Ein echter, wenn auch winziger Verlust lehrt etwas, das Demo nicht vermitteln kann. Er bildet aber weder den Druck einer dem realen Kapital entsprechenden Exponierung ab noch erlaubt er Rückschlüsse auf den Strategievorteil. Dafür braucht es ein Konto normaler Größenordnung mit vergleichbarer Ausführung.

Warum ein Ergebnis vom Cent-Konto möglicherweise nicht übertragbar ist. Das Ausführungsmodell folgt nicht aus der Kontraktskala und wird nicht vom Kontonamen bestimmt. Entnehmen Sie es den Ausführungsgrundsätzen und der Kontospezifikation. Führt der Broker Aufträge aus dem eigenen Buch aus, statt sie an einen externen Liquiditätspool weiterzuleiten, stammt der Ausführungskurs aus seiner eigenen Notierung. Slippage, Requotes und Ausführungsverzögerung hängen dann vor allem von seiner Kursstellungs- und Ausführungspolitik ab. Das heißt nicht, dass diese Phänomene verschwinden oder ihren Liquiditätsbezug verlieren: Der Brokerkurs kann seinerseits auf aggregierten Anbieternotierungen beruhen (Abschnitt 3). Die Begründung der polnischen Produktinterventionsentscheidung von 2019 hält fest, dass bei CFD-Anbietern, die Gegenpartei der Kundengeschäfte sind und ihre Exponierung nicht absichern, das Risiko fragwürdiger Praktiken größer ist. Sie nennt dabei asymmetrische Slippage und eine bewusst verlängerte Zeit zwischen Kursstellung und Ausführung.[3] Das ist die Begründung einer Aufsicht zu einem Mechanismus, keine länderspezifische Regel. Internalisierung beweist für sich genommen keine unfaire Ausführung: Sie ist Risikomanagement und schafft einen zu steuernden Interessenkonflikt. Der Mechanismus wird erläutert in Artikel 12.2.

Für die Kontotypwahl zählt eine weitere Folge der Internalisierung: Die Ausführungsbedingungen eines Cent-Kontos müssen nicht denen eines Raw-Kontos entsprechen. Eine Strategie mit kurzem Kursziel und einem Vorteil von einem Bruchteil eines Pips kann beim Wechsel verschwinden. Messen Sie deshalb vor der Entscheidung Slippage auf beiden Konten mit derselben Methode und vergleichen Sie die Verteilungen, nicht die Durchschnittswerte (Artikel 12.3).

Cent / Micro: Kontraktgröße ablesen
Exposition = Kontraktgröße × Volumen; der Kontoname legt die Umrechnung nicht fest. Veranschaulichendes Beispiel: Parameter aus Ihrer eigenen Kontospezifikation einsetzen.

6. Swap-Free-Konto und Demokonto

Das Swap-Free-Konto („islamisches“ Konto)

Auf einem Swap-Free-Konto berechnet der Broker keinen Swap für das Halten einer Position über Nacht. Das bedeutet nicht, dass die Positionshaltung kostenlos ist; die Kosten ändern nur Namen und Erhebungsweise. Die Regelung steht in den Kontobedingungen und hat meist eine von drei Formen: feste Verwaltungsgebühr je Lot und Tag, Gebühr erst nach einer Schonfrist oder Aufschlag im Spread des betreffenden Instruments. Welche Form auf Ihr Konto zutrifft, bestimmen dessen Bedingungen.

Lesen Sie vier Punkte in den Bedingungen nach, bevor Sie ein solches Konto für günstiger halten:

  1. Wodurch der Swap ersetzt wurde – Verwaltungsgebühr, breiterer Spread oder nichts. Bei einer Gebühr: in welcher Einheit (Betrag je Lot und Tag oder Prozentsatz des Nominalwerts) und in welcher Währung?
  2. Die Schonfrist – nach wie vielen Tagen die Gebühr anfällt und ob Kalender- oder Sitzungstage zählen. Eine kurze Schonfrist bedeutet, dass das Konto nur bei eintägigen Positionen kostenlos ist.
  3. Die erfassten Instrumente – prüfen Sie, ob die Befreiung den gesamten Korb oder nur eine Auswahl umfasst und ob Ihre tatsächlich gehandelten Instrumente dabei sind.
  4. Zugangsvoraussetzungen und Verlust des Status – wer das Konto eröffnen darf, welche Handelsweisen ausgeschlossen sind und was geschieht, wenn der Broker einen Verstoß feststellt. Prüfen Sie auch, ob die Bedingungen eine rückwirkende Nachberechnung nicht erhobener Swap-Punkte vorsehen. Diese Klausel kann die Rechnung nachträglich verändern.

Vergleichen Sie anhand Ihres eigenen Profils: Berechnen Sie für dieselbe Positionsgröße und dasselbe Instrument die Haltekosten einer typischen Position über Ihre typische Haltedauer – auf einem normalen und einem Swap-Free-Konto. Eine vor dem Rollover geschlossene Position verursacht gar keine Swap-Punkte; die Befreiung ändert dort nichts. Bei wochenlang gehaltenen Positionen kann die Verwaltungsgebühr die ersetzten Swap-Punkte übersteigen.

Das Demokonto als Kontotyp

Ein Demokonto gilt oft als Lernstufe. Vor allem ist es aber ein Messinstrument mit präzise begrenztem Anwendungsbereich. Nachfolgend steht, was es zuverlässig misst und was es überhaupt nicht misst.

Demo misst zuverlässigDemo misst nicht
Plattformbedienung und Aufbau der BenutzeroberflächeTatsächliche Auftragsausführung und Slippage
Verfügbare Auftragsarten und ihre ParameterAblehnungs- und Requotequote
Korrekte Funktionsweise automatisierter Systeme und SkripteVerfügbare Liquidität für Ihre Positionsgröße
Eigener Ablauf: Auftragseingabe, Journal, BerichteSpreads bei plötzlicher Volatilität
Inhalt der Instrumentspezifikation auf einem bestimmten ServerBrokerverhalten bei Notfällen und Auszahlungen

Die praktische Folge: Demo eignet sich zum Prüfen der Instrumentspezifikation und des Verhaltens Ihres automatisierten Systems, aber nicht für Rückschlüsse auf Kosten und Ausführungsqualität. Ein Ergebnis auf einem Demokonto ist kein Beweis dafür, dass dieselbe Strategie die Kosten eines Live-Kontos tragen kann.

7. Kundeneinstufung: Privatkunde, professioneller Kunde und geeignete Gegenpartei

Der Kontoname ändert Ihre Einstufung nicht. Die Einstufung verändert aber die Kontoparameter, vor allem die erforderliche Anfangsmargin und damit den maximalen Hebel. MiFID II verpflichtet Wertpapierfirmen, jeden Kunden einer von drei Kategorien zuzuordnen: Privatkunde, professioneller Kunde oder geeignete Gegenpartei[2]. Die dritte umfasst Großmarktteilnehmer, vor allem Finanzinstitute und öffentliche Stellen. Sie betrifft Einzelpersonen daher normalerweise nicht; der Rest dieses Abschnitts behandelt die ersten beiden Kategorien. Manche nationalen Aufsichten bilden zusätzlich eine Unterkategorie innerhalb der Privatkunden. Das ist eine nationale Ergänzung, kein Bestandteil des EU-Rahmens, und wird unten als ausdrücklich gekennzeichnetes Beispiel behandelt, nicht als allgemeine Regel.

Der Privatkunde

Für Privatkunden-CFDs bildet die ESMA-Produktintervention den EU-weiten Bezugspunkt: Beschluss (EU) 2018/796 vom 22. Mai 2018[1]. Sie verlangte unter anderem, dass der CFD-Anbieter eine bestimmte Anfangsmargin erhebt, einen „Margin-Close-Out-Schutz“ vorsieht, wenn die Summe aus Guthaben und unrealisierten Ergebnissen unter die Hälfte der gesamten Anfangsmargin fällt, und einen „Schutz vor negativem Saldo“, der die Kundenhaftung auf die Mittel im Konto begrenzt[1]. Ob eine solche Produktinterventionsmaßnahme den Anbieter bindet, richtet sich nach ihrem territorialen Geltungsbereich, einschließlich der Leistung an Kunden im erfassten Gebiet. Grenzüberschreitend sind sowohl anwendbare Maßnahmen des Zulassungsstaats des Anbieters als auch des Staates, in dem sich der Kunde befindet, zu prüfen – weder nur der Kundensitz noch nur der Anbietersitz entscheidet[1].

Die Mindestanfangsmargin eines Privatkunden beträgt nach dieser Maßnahme mindestens[1]:

  • 3,33% des Nominalwerts – bei einem Paar aus zwei der Währungen US-Dollar, Euro, japanischer Yen, Pfund Sterling, kanadischer Dollar und Schweizer Franken (entspricht einem Hebel von 30:1);
  • 5% – für die in der Maßnahme genannten Aktienindizes, Gold und Währungspaare mit mindestens einer anderen Währung;
  • 10% – für Rohstoffe oder nicht genannte Aktienindizes;
  • 20% – für Aktien oder nicht in der Maßnahme genannte Basisinstrumente;
  • 50% – für Kryptowährungen.

Zwei Eigenschaften bestimmen, wie Sie diese Maßnahme einordnen sollten. Sie war befristet: ESMA verlängerte sie durch Folgebeschlüsse und ließ sie schließlich auslaufen. Nationale EWR-Aufsichten führten stattdessen eigene dauerhafte Maßnahmen ein. Heute maßgeblich sind daher die anwendbaren nationalen Entscheidungen, nicht der frühere ESMA-Beschluss. Bei grenzüberschreitenden Leistungen sind Zulassungsstaat des Anbieters und Aufenthaltsstaat des Kunden nach dem jeweiligen territorialen Geltungsbereich zu prüfen. Manche Maßnahmen übernehmen die obige Staffel wortgleich, andere nicht. Lesen Sie die für Sie geltenden, statt Übereinstimmung vorauszusetzen. Die polnische Entscheidung vom 1. August 2019 übernimmt sie und dient nachfolgend als Rechenbeispiel[3]. Vor 2018 gab es keinen verpflichtenden Schutz vor negativem Saldo in dieser Form. Marktereignisse vor diesem Datum erklären daher die Entstehung dieses Schutzes, testen ihn aber nicht. Die Auftragsausführung unter solchen Bedingungen erläutert Artikel 12.3, den Schutz von Kundengeldern bei Insolvenz des Intermediärs dagegen Artikel 12.7.

Nationale Unterkategorie der Privatkunden – Polen als Rechenbeispiel

Die polnische Maßnahme von 2019 bildet innerhalb der Privatkunden die Unterkategorie erfahrener Kunde – ein Status ausschließlich für Privatkunden und nur zur Festlegung der Anfangsmargin. Der CFD-Anbieter darf für diese Kunden eine reduzierte Anfangsmargin von 1% des Nominalwerts ansetzen (entspricht Hebel 100:1), und zwar für Währungspaare, die im Beschluss genannten Aktienindizes und Gold. Bei Rohstoffen und anderen Indizes bleiben es 10%, bei Aktien 20%, bei Kryptowährungen 50%. Die Senkung gilt also nicht für jedes Instrument.[3] Nichts davon überträgt sich automatisch auf ein anderes Land. Betrachten Sie es als Beispiel einer möglichen nationalen Ergänzung und prüfen Sie in der Entscheidung Ihrer Aufsicht, ob es überhaupt eine Entsprechung gibt.

Mindestanfangsmargin Privatkunde erfahrener Kunde Paar aus dem Sechswährungskorb 3,33% entspricht Hebel 30:1 1% entspricht Hebel 100:1 genannte Aktienindizes, Gold und Paar mit anderer Währung 5% 1% Rohstoff oder anderer Aktienindex 10% 10% Aktie oder Basisinstrument nicht im Beschluss genannt 20% 20% Kryptowährung 50% 50% Polen, Rechenbeispiel: KNF-Entscheidung Nr. DAS.456.2.2019 vom 1. August 2019
Nur in den beiden hervorgehobenen Zeilen unterscheiden sich die Spalten. Die Reduzierung gilt also nicht für jedes Instrument. Dies ist ein einzelnes nationales Beispiel; bei Ihrer Aufsicht gibt es möglicherweise gar keine Entsprechung.

Die Voraussetzungen für den Status bestehen aus zwei Teilen, die beide erfüllt sein müssen[3]:

  • Handelsumsatz in den letzten 24 Monaten – Eröffnungsgeschäfte mit einem Nominalwert von jeweils mindestens 50.000 EUR Gegenwert, mindestens 10 Geschäfte je Quartal über vier Quartale; oder jeweils mindestens 10.000 EUR bei mindestens 50 Geschäften je Quartal über vier Quartale; oder insgesamt mindestens 2.000.000 EUR bei mindestens 40 Geschäften je Quartal über vier Quartale;
  • Kenntnisse über Derivate – nachgewiesen durch ein Berufszertifikat oder einen einschlägigen Hochschulabschluss; oder mindestens 50 Schulungsstunden zu Derivaten einschließlich CFDs in den letzten 12 Monaten, belegt durch geeignete Zertifikate oder Bestätigungen des Schulungsanbieters nach Prüfung des Teilnehmerwissens; oder mindestens ein Jahr in einer Position, die Kenntnisse über Geschäfte mit CFDs oder anderen Derivaten erfordert.

Vier Verfahrensdetails werden leicht übersehen. Der Status wird auf schriftlichen Antrag des Kunden erteilt; der Anbieter prüft die fortbestehende Erfüllung der Voraussetzungen mindestens einmal jährlich. Die Umrechnung von Eurobeträgen erfolgt mit dem von der polnischen Zentralbank (NBP) veröffentlichten Euro-Durchschnittskurs, der an dem der Antragstellung vorausgehenden Tag galt, „an dem dieser Kurs veröffentlicht wurde“. Dieser zweite Teil ist wichtig, wenn am Kalendertag vor dem Antrag keine Kurstabelle erschien, etwa an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag.[3] Der Status darf nur Privatkunden mit Sitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Polen erteilt werden; maßgeblich ist nach dem Beschluss der Zeitpunkt des Abschlusses des Dienstleistungsvertrags.[3]

Am wichtigsten ist, was dieser Status nicht ändert. Nach dem Beschluss wird er – hier in Übersetzung wiedergegeben – „ausschließlich im Zusammenhang mit der Festlegung der Anfangsmargin für CFDs durch den CFD-Anbieter“ erteilt. Die Erteilung „befreit den CFD-Anbieter nicht von sonstigen Verpflichtungen gegenüber Privatkunden, die sich aus dem Beschluss und dem geltenden Recht ergeben“.[3] Ein erfahrener Kunde bleibt also Privatkunde. Er behält den Schutz vor negativem Saldo, den Margin-Close-Out-Schutz und die übrigen Informationspflichten zu seinen Gunsten. Das ist der wesentliche Unterschied zur Umstufung als professioneller Kunde.

Der professionelle Kunde – Wechsel des Schutzregimes, keine Beförderung

Die Umstufung als professioneller Kunde ist ein eigenständiges Institut des Kapitalmarktrechts. Die Voraussetzungen für den freiwilligen Wechsel legt MiFID II selbst fest[2]. Sie erfolgt auf Antrag, nachdem die Wertpapierfirma die Kriterien geprüft hat, und verändert den Umfang verpflichtender Schutzmaßnahmen und Informationen. Gehen Sie dabei nicht davon aus, dass professionelle Kunden automatisch jede Absicherung verlieren. Manche Schutzmaßnahmen beruhen auf dem Gesetz, andere auf dem Vertrag mit einem bestimmten Broker. Prüfen Sie beide Ebenen getrennt im Kundeneinstufungsdokument Ihres Unternehmens.

Die britische Aufsicht beschrieb diesen Mechanismus deutlich in einem Portfolio-Schreiben vom 13. Dezember 2024 an die Geschäftsführungen von CFD-Anbietern. Ihre Erwartung an die Unternehmen lautete im hier übersetzten Zitat:[4]:

„Verbraucher werden nicht unangemessen in den Status eines ‚auf Antrag professionellen Kunden‘ umgestuft. Nehmen Unternehmen eine solche Umstufung vor, haben diese Verbraucher vollständig verstanden, welche regulatorischen Schutzmaßnahmen sie dadurch verlieren.“

Das Dokument betrifft den britischen Markt und ist andernorts keine Rechtsquelle. Es zeigt aber, dass der vertriebliche Einsatz der Umstufung eine relevante Aufsichtsfrage ist, kein Randthema. Ob Ihre Aufsicht Vergleichbares veröffentlicht hat, müssen Sie in deren eigenen Veröffentlichungen prüfen. Fehlt eine solche Aussage, beweist das nicht, dass es diese Praxis nicht gibt.

Die folgende Tabelle vergleicht die beiden für Einzelkunden relevanten gesetzlichen Kategorien einschließlich der nationalen Unterkategorie des obigen Rechenbeispiels. Die Kategorie der geeigneten Gegenpartei für Großmarktteilnehmer ist nicht erfasst.

MerkmalPrivatkundeErfahrener Kunde (Privatkunden-Unterkategorie, Polen – Beispiel)Professioneller Kunde
Grundlage[RECHENBEISPIEL – POLEN] KNF-Entscheidung vom 1. August 2019[3]Dieselbe polnische Entscheidung, Punkte 4–6 und 13[3]Kundeneinstufung nach den Vorschriften über Märkte für Finanzinstrumente
Anfangsmargin, Paar aus dem Sechswährungskorbmindestens 3,33%mindestens 1%vom Broker festgelegt; außerhalb des Maßnahmenumfangs
Schutz vor negativem Saldovorgeschriebenvorgeschrieben – der Status beseitigt sie nichtabhängig von Recht und Vertrag – gesondert prüfen
Positionsschließung bei 50% der Marginvorgeschriebenvorgeschriebenabhängig von Recht und Vertrag
Erwerb des Statusstandardmäßigschriftlicher Antrag, Umsatz- und Wissenskriterien, Prüfung mindestens jährlichgesondertes Einstufungsverfahren beim Broker
Geltungsbereich—nur Kunden mit Sitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im erfassten Gebiet, festgestellt bei Vertragsabschlussabhängig vom Rechtsraum des Unternehmens
Anteil verlierender Konten – zwei unterschiedliche Zahlen, die nicht vermischt werden dürfen. Die erste steht im Risikohinweis: Er muss den aktuellen Anteil verlierender CFD-Konten bei diesem konkreten Anbieter ausweisen, berechnet mindestens alle drei Monate für die jeweils vorangegangenen zwölf Monate.[1] Diese Kennzahl wird also je Anbieter berechnet. Die Offenlegungspflicht betrifft ein Unternehmen; jedes veröffentlicht seine eigene Zahl für sich und einen bestimmten Zeitraum. Sie ist kein Marktdurchschnitt und darf nicht so gelesen werden. Die zweite ist eine aggregierte Zahl aus einer eigenen Aufsichtsauswertung. Manche nationalen Aufsichten veröffentlichen jährlich zusammengefasste Kundenergebnisse aus den Meldungen ihrer beaufsichtigten Unternehmen. Gibt es eine solche Auswertung, umfasst sie die an diese Aufsicht meldenden Unternehmen; ihre Marktdefinition steht im Dokument selbst. Suchen Sie deshalb die Veröffentlichung Ihrer Aufsicht und lesen Sie deren Definitionen, statt eine Zahl aus einem anderen Land zu übernehmen. Ein Aggregat ersetzt nicht die Zahl eines bestimmten Anbieters, und dessen Zahl beschreibt nicht den Markt. Für die Kontotypwahl ist keine der beiden Zahlen ein Parameter: Beide sagen etwas über Markt und Anbieter aus, nicht über ein Konto.

Die Anlegerentschädigung ist ein eigener Mechanismus. Verwechseln Sie ihn weder mit dem Schutz vor negativem Saldo noch mit der Trennung von Kundengeldern. Umfang, Höchstbetrag und Berechtigtenkreis hängen davon ab, mit welcher juristischen Person Sie den Vertrag schließen, wer sie beaufsichtigt und in welcher Form sie in Ihrem Land tätig ist. Im EWR legt die Richtlinie über Anlegerentschädigungssysteme den Mindeststandard fest. Sie verpflichtet jeden Mitgliedstaat zu einem System mit mindestens 20.000 EUR Deckung je Anleger[5]; bei einem Unternehmen aus einem anderen Mitgliedstaat ist das System seines Herkunftsstaats der Ausgangspunkt. Für eine Zweigniederlassung kann eine Mischlösung gelten, bei der das Aufnahmestaatsystem aufstockt. Auch der Beitrittsweg ist nicht einheitlich: Das polnische KDPW-System unterscheidet beispielsweise ein inländisches Unternehmen, das bereits am Zentralverwahrer teilnimmt, einen anderen inländischen Rechtsträger mit Teilnahmevertrag sowie eine Zweigniederlassung einer ausländischen Wertpapierfirma, die unter gesetzlichen Voraussetzungen den Beitritt beantragt. Deckung bedeutet deshalb weder ein einheitliches Antragsverfahren noch einen einheitlichen automatischen Anspruch. Der Weg hängt davon ab, in welchen dieser Fälle Ihr Unternehmen fällt.

Leiten Sie die Deckung weder aus Brokermaterial noch aus dem Kontonamen ab. Ermitteln Sie die juristische Person, prüfen Sie deren Teilnahme am zuständigen System und klären Sie Abweichungen mit ihr selbst; notieren Sie Dokumentname und Lesedatum. Der Kontotypname entscheidet hier nichts, die Vertragspartei dagegen alles. Unterschiedliche Kontovarianten einer Marke führen bisweilen zu verschiedenen juristischen Personen. Rechtsgrundlagen und aktuelle Entschädigungsgrenzen gehören in Artikel 12.7 zur Kapitalsicherheit.

8. Welches Konto ist günstiger – Kostenschwelle und Handelsstil

Vor der Rechnung: Die folgenden Berechnungen dienen der Kontotypwahl. Die vollständige Aufschlüsselung der Gesamtkosten einschließlich Slippage, Kontogebühren und Währungsumrechnung steht in Artikel 12.4. Hier vergleichen wir zwei Varianten desselben Angebots bei gleichem Marktengagement.

Die Kostenschwelle ist eine Spread-Differenz, keine Volumenschwelle

Die häufige Frage „Ab wie vielen Lots monatlich lohnt sich ein Provisionskonto?“ ist falsch gestellt. Spread und Provision sind beide proportional zum Volumen: Sie werden je Lot berechnet und mit der Lotzahl multipliziert. Beide Seiten des Vergleichs mit derselben Zahl zu multiplizieren, ändert das Ergebnis nicht. Ist ein Konto je Lot vier Dollar günstiger, ist es das bei zehn ebenso wie bei tausend Lots. Eine Volumenschwelle entsteht erst durch einen festen Kostenbestandteil: Plattformgebühr, Mindestprovision, Inaktivitätsgebühr oder Kosten zur Aufrechterhaltung einer Mindesteinlage. Die Volumenschwelle ergibt sich dann aus monatlichen Fixkosten geteilt durch die Ersparnis je Lot. Eine gesonderte Schwellenursache sind gestaffelte Provisionen: Sie sind kein volumenunabhängiger Betrag, sondern verändern den Satz je Lot beim Überschreiten eines vereinbarten Umsatzes. Diese Schwelle entnehmen Sie deshalb direkt dem Preisverzeichnis, nicht dieser Formel.

Die richtige Bedingung betrifft die Spread-Differenz – die Differenz der Spreads beider Konten in Pips. Das ist nicht dasselbe wie die Kostendifferenz, also die Round-Turn-Kostendifferenz in Dollar. Diese beiden Bezeichnungen werden im gesamten Artikel nur in diesen Bedeutungen verwendet:

Spread-Differenz [Pips] × Pipwert [USD/Pip] > RT-Provision [USD]

Umgestellt ergibt sich die Spread-Differenzschwelle, an der beide Konten gleich viel kosten:

Schwellendifferenz [Pips] = RT-Provision [USD] ÷ Pipwert [USD/Pip]

Für ein Standard-Lot EUR/USD mit 10 USD Pipwert gilt:

  • 6,00 USD Provision je Round Turn – Schwelle 0,60 Pips;
  • 7,00 USD Provision – Schwelle 0,70 Pips;
  • 10,00 USD Provision – Schwelle 1,00 Pip.

Ein Beispiel. Raw-Konto: 0,20 Pips Spread und 6,00 USD Round-Turn-Provision, also 0,20 × 10 USD + 6,00 USD = 8,00 USD. Provisionsfreies Konto mit 1,20 Pips Spread: 1,20 × 10 USD = 12,00 USD. Die Spread-Differenz beträgt 1,00 Pip oder 10,00 USD und übersteigt die Provision von 6,00 USD. Die Kostendifferenz beträgt daher 4,00 USD je Lot; um diesen Betrag ist Raw bei jedem Volumen günstiger. Hätte das provisionsfreie Konto 0,80 Pips Spread, läge die Differenz bei 0,60 Pips und damit genau auf Provisionshöhe: Beide Konten kosteten 8,00 USD. Unter 0,80 Pips wäre das provisionsfreie Konto günstiger – auch bei fünfhundert Lots monatlich. (Werte zur Veranschaulichung)

Das Ergebnis hängt vom angenommenen Spread des provisionsfreien Kontos ab, nicht vom Volumen. Bei 7,00 USD Provision und 0,20 Pips Raw-Spread liegt der Wendepunkt bei 0,90 Pips: Ein provisionsfreies Konto mit 0,80 Pips Spread ist günstiger (8,00 gegenüber 9,00 USD), eines mit 1,00 Pip teurer (10,00 gegenüber 9,00 USD). Zwei Vergleiche, die sich um zwei Zehntelpips unterscheiden, führen zu gegensätzlichen Ergebnissen. Darin liegt das ganze Geheimnis widersprüchlicher Antworten auf „Ist Raw günstiger?“.

Wann das Provisionskonto günstiger ist Round-Turn-Kosten, 1 Standard-Lot EUR/USD 4 USD 8 USD 12 USD 16 USD 0,40 0,80 1,20 1,60 Spread des provisionsfreien Kontos (Pips) 0,80 Pips – gleiche Kosten (8,00 USD) darunter: provisionsfreies Konto günstiger darüber: Raw-Konto günstiger ohne Provision: Spread × 10 USD Raw-Konto: 0,20 Pips + 6,00 USD RT

Beispielwerte. Die horizontale Achse zeigt den Spread des provisionsfreien Kontos, nicht das Volumen. Das Volumen skaliert beide Linien identisch und verschiebt den Schnittpunkt nicht, solange beide Kosten rein proportional zum Volumen bleiben.

Jahreskosten bei fünf Umsatzstufen

Jahreskosten bei konstanten Sätzen
Standard 12 USD/Lot • Raw 8 USD/Lot • Pro 4,50 USD/Lot • 12 Monate. Veranschaulichendes Modell ohne Finanzierung, Slippage und Fixgebühren. Die Rangfolge ändert sich nicht mit dem Volumen.
Annahmen der Berechnung. EUR/USD, Standard-Lot (100.000 Einheiten), Pipwert 10 USD. Provisionsfreies Konto: 1,20 Pips Spread, Provision 0. Raw: 0,20 Pips Spread, 6,00 USD Round-Turn-Provision. Pro: 0,10 Pips Spread, 3,50 USD Round-Turn-Provision. Round-Turn-Kosten = Spread × 10 USD + RT-Provision, also 12,00 / 8,00 / 4,50 USD je Lot. Jahresbetrag = Kosten je Lot × Monatsvolumen × 12. Nicht enthalten sind Swap-Punkte, Slippage und Währungsumrechnung; die tatsächlichen Kosten sind höher. Beispielwerte, keine Marktbenchmarks.
Volumen/MonatOhne Provision (12,00 USD/Lot)Raw (8,00 USD/Lot)Pro (4,50 USD/Lot)Differenz: provisionsfrei − Raw
20 Lots2880 USD/Jahr1920 USD/Jahr1080 USD/Jahr960 USD
50 Lots7200 USD/Jahr4800 USD/Jahr2700 USD/Jahr2400 USD
100 Lots14.400 USD/Jahr9600 USD/Jahr5400 USD/Jahr4800 USD
200 Lots28.800 USD/Jahr19.200 USD/Jahr10.800 USD/Jahr9600 USD
500 Lots72.000 USD/Jahr48.000 USD/Jahr27.000 USD/Jahr24.000 USD

Beachten Sie, was in dieser Tabelle fehlt: ein Zeitpunkt, an dem sich die Reihenfolge umkehrt. Das Kostenverhältnis ist in jeder Zeile gleich, weil beide Vergleichsspalten linear wachsen. Nur das Gewicht des Betrags verändert sich. Das entscheidet über den Nutzen eines Kontowechsels, nicht die Rechenregel.

Zwei Trader – dasselbe Konto muss nicht für beide optimal sein

Betrachten wir zwei Personen, die dasselbe Instrument beim selben Broker nach den Annahmen im obigen Kasten handeln.

  • Ein Anfänger, 5 Lots monatlich. Provisionsfrei: 60 USD monatlich, 720 USD jährlich. Raw: 40 USD monatlich, 480 USD jährlich. Ersparnis: 240 USD im Jahr.
  • Ein aktiver Trader, 200 Lots monatlich. Provisionsfrei: 2400 USD monatlich, 28.800 USD jährlich. Raw: 1600 USD monatlich, 19.200 USD jährlich. Ersparnis: 9600 USD im Jahr.

Die Richtung ist in beiden Fällen gleich und folgt aus der Formel, nicht dem Umsatz. Umkehren können die Differenz Kosten, die diese Rechnung nicht erfasst: Kapitalbindung durch Mindesteinlage, Plattformgebühr, Mindestprovision, höhere Raw-Swap-Sätze oder Währungsumrechnung. Bei der ersten Person können 240 USD Jahresersparnis unter der jährlichen Plattformgebühr oder einer monatlichen Mindestprovision liegen, die fünf Lots nicht ausschöpfen. Dann fällt die Entscheidung anders aus als beim reinen Spread-Provisions-Vergleich. Plattformgebühr und Mindestprovision sind feste Bestandteile. Nur durch sie oder durch eine gestaffelte Provision wird das Volumen zur Entscheidungsgröße.

Swap-Punkte: Kosten ohne Skalierung nach Tradezahl

Swap-Punkte hängen von der Haltedauer ab, nicht von der Handelshäufigkeit. Deshalb können sie für einen Swing-Trader den gesamten Kostenunterschied übersteigen, der für die Kontowahl ausschlaggebend ist. Der Satz ist ein Angebotsparameter: Er ändert sich, kann für Long und Short asymmetrisch sein und muss mit Einheit und Lesedatum aus der Instrumentspezifikation erfasst werden.

Die Rechnung mit Beispielwerten. Position von 5 Lots, Swap-Satz −5,00 USD je Lot und Finanzierungstag, gehalten für 10 Kalendertage ab einem Montag. Darin liegen zwei Tage mit Dreifachbelastung, also zwölf statt zehn Finanzierungstage: 5 Lots × 12 Tage × (−5,00 USD) = −300,00 USD, also 300,00 USD Kosten. Im Vergleich dazu beträgt die Round-Turn-Kostendifferenz zwischen provisionsfreiem und Raw-Konto bei denselben 5 Lots: 5 × 4,00 USD = 20,00 USD. Bei diesem Profil geht es im Spread-Streit nur um wenige Prozent der Kosten.

Die Anzahl der Belastungen hängt davon ab, welche Wochentage die Haltedauer umfasst; ein anderer Start ergibt ein anderes Ergebnis. Bei T+2-Währungspaaren ist die Dreifachbelastung normalerweise mittwochs. Diese Konvention kann aber verschoben sein und muss in der Instrumentspezifikation bestätigt werden. Öffnen Sie zum Ablesen die Symbolspezifikation der Plattform und erfassen Sie vier Felder: Swap Long, Swap Short, die Einheit des Satzes (Punkte, Prozent, Währung) und den Tag der Dreifachbelastung. Prüfen Sie dann im Preisverzeichnis, ob die Sätze zwischen Kontotypen abweichen.

Kontowährung und Umrechnung – Kosten bei abweichender Abrechnungswährung

Lautet Ihr Konto auf eine Währung und wird das gehandelte Instrument in einer anderen abgerechnet, können Teile der Zahlungsströme umgerechnet werden: Positionsergebnis, Provision, Swap-Punkte und Gebühren. Klären Sie vier Dinge: was genau umgerechnet wird, wann (bei jedem Vorgang oder zusammengefasst), zu welchem Kurs und mit welchem Aufschlag. Der Umrechnungsaufschlag wird meist als Prozentsatz des Kurses angegeben und ist in einer Spread-Tabelle unsichtbar.

Nehmen Sie nicht vorab an, dieser Bestandteil sei nebensächlich – aber auch nicht das Gegenteil. Seine Höhe hängt von zwei Größen ab, die kein Artikel für Sie liefern kann: dem Aufschlag Ihres Unternehmens und dem in Ihrem Szenario tatsächlich umgerechneten Betrag. Lesen Sie den Aufschlag im Preisverzeichnis ab, berechnen Sie den Betrag aus Ihrem Handelsverlauf und vergleichen Sie das Produkt mit der Kostendifferenz, nach der Sie den Kontotyp auswählen. Erst das zeigt, ob der Bestandteil nebensächlich ist. Entsteht in Ihrem Szenario keine Umrechnung, etwa weil Konto- und Abrechnungswährung übereinstimmen, lassen Sie ihn weg; erklären Sie dies aber im Vergleich, statt stillschweigend null anzunehmen. Die Berechnung beschreibt Artikel 12.4.

Die Pro-Schwelle: Ersparnis gegen gebundene Einlage

Die Grundlage sind die vollständigen Round-Turn-Kosten, nicht allein die Provision. Mit den Annahmen aus dem obigen Kasten kostet Raw 8,00 USD je Lot und Pro 4,50 USD. Die Differenz beträgt 3,50 USD je Lot: 2,50 USD durch die niedrigere Provision und 1,00 USD durch den engeren Spread (0,10 Pips × 10 USD). Bei 100 Lots monatlich, also 1200 Lots jährlich, ergeben sich 4200 USD im Jahr – genau die Differenz zwischen Raw und Pro in der obigen Tabelle (9600 − 5400 USD). Erfordert der Zugang eine Einlage von 25.000 USD bei einem Unternehmen, entspricht die Jahresersparnis 16,8% dieses Betrags. Das ist keine Kapitalrendite: Die Einlage bleibt Ihr Geld und dient als Sicherheit. Es misst vielmehr den Preis der Konzentration: Diese 25.000 USD unterliegen dem Risiko eines Unternehmens und eines Schutzsystems. Bei 50 Lots monatlich beträgt die Ersparnis 2100 USD, also 8,4% der erforderlichen Einlage. (Werte zur Veranschaulichung)

Handelsstil und Kontowahl

Die Tabelle wählt kein Konto aus – sie ordnet die Ausgangsfrage des Vergleichs.

HandelsstilEntscheidender ParameterDominierende KostenFrage an die Spezifikation
ScalpingSpread-Differenz im tatsächlichen HandelsfensterSpread und SlippageWie hoch ist der durchschnittliche Spread zu meinen Zeiten, nicht der Mindestspread?
DaytradingVergleichsergebnis: Spread-Differenz gegen RT-ProvisionSpread und ProvisionIst die Provision je Seite oder je Round Turn angegeben?
Swing-TradingSwap-Sätze und Tag der DreifachbelastungPositionsfinanzierungWie hoch sind Swap Long und Short meines Instruments, in welcher Einheit?
Automatisierter HandelAusführungsmodell und VolumenschrittSlippage und AblehnungenWelche Volumenschritte, Mindest- und Sperrabstände und welches Ausführungsmodell gelten hier?
EinstiegMindestvolumen und MindesteinlageSpreadKann ich mit 0,01 Lot Schrittweite das Risiko in meinem Limit halten?
Hoher HandelsumsatzProvisionshöhe im Verhältnis zu den Bedingungen für den SchwellenerhaltProvision und FinanzierungWas passiert, wenn ich die Schwellenbedingung nicht mehr erfülle?
Der Handelsstil weist auf den zu prüfenden Parameter hin
Kein Handelsstil bestimmt für sich allein einen Kontonamen. Dasselbe Instrument, dieselbe Exposition, dasselbe Handelszeitfenster und dieselbe Rechtseinheit vergleichen.

Kontodatenblatt – vor der Entscheidung ausfüllen

Statt fremde Parametertabellen zu vergleichen, füllen Sie das folgende Blatt für die beiden zur Wahl stehenden Konten aus. Die ersten vier Felder entscheiden, ob der Rest überhaupt einen Wert hat: Parameter ohne juristische Person, Dokument und Lesedatum sind eine Werbemomentaufnahme. Prüfen Sie die Gesellschaft im öffentlichen Zulassungsregister Ihrer nationalen Aufsicht. Bedient eine ausländische Firma Kunden in Ihrem Land per EU-Pass, steht die Grundlage in einem gesonderten Register grenzüberschreitender Notifizierungen; ihren Status prüfen Sie zusätzlich im Herkunftsstaatsregister. Im EWR bündelt ESMA zentral die Aufsichtsregister und das Verzeichnis national zuständiger Behörden.[6].

FeldKonto AKonto B
Juristische Person als Vertragspartei  
Rechtsraum und Aufsichtsbehörde  
Quelldokument (Name und Fassung)  
Lesedatum  
Kontoname und -typ  
Kontowährung und Umrechnungsregeln  
Symbol und Symbolsuffix  
Kontraktgröße (Contract size)  
Tickgröße (Tick size)  
Tickwert (Tick value)  
Mindestvolumen / Volumenschritt  
Typischer Spread zu meinen Handelszeiten  
Provision: je Seite oder Round Turn, Belastungswährung  
Ausführungsmodell und Quelldokument (Ausführungsgrundsätze, Informationen über Ausführungsplätze)  
Fixbestandteile (Plattformgebühr, Mindestprovision, Inaktivitätsgebühr, Kosten der Mindesteinlagehaltung): Betrag und Zeitraum; Staffelprovision: Volumenschwelle und Satz darüber  
Marginanforderung (%) und zugehöriger Kundenstatus  
Handelszeiten und Serverzeitzone  
Stops level (Mindestauftragsabstand)  
Freeze level (Zone gesperrter Vorgänge)  
Swap Long / Swap Short mit Einheit  
Tag der Dreifachbelastung  
Schließungsschwelle (Stop-Out) und Grundlage: Vorschrift oder Vertrag  
Vertragsbeschränkungen (Schwelle, Aktivität, erlaubte Handelsweisen)  

Dieses Datenblatt hat gegenüber fertigen Angebotsvergleichen einen Vorteil: Es veraltet nicht. Die Werte ändern sich, die Felder bleiben. Mit zwei ausgefüllten Spalten genügt die Multiplikation aus der Formel am Abschnittsanfang – sofern in beiden Spalten die Zeile für Fixbestandteile und Staffelprovision leer bleibt. Steht dort ein Fixbetrag, kommt eine zweite Rechnung hinzu: monatliche Fixkosten geteilt durch Ersparnis je Lot. Das ist das Volumen, bei dem sich der Kontowechsel amortisiert. Bei Staffelprovisionen ergibt sich die Volumenschwelle aus dem Preisverzeichnis selbst.

Was Namen verbergen – und was sie nicht entscheiden

Die folgende Tabelle ordnet übliche Handelsbezeichnungen und nennt die Dokumente, in denen die jeweils suggerierten Werte stehen. Sie enthält bewusst keine Zahlen: Keiner dieser Namen hat eine Definition, aus der sich ein Parameter ableiten ließe. Sätze und Schwellen sind Angebotsparameter eines konkreten Unternehmens, ändern sich ohne Ankündigung und brauchen juristische Person, Dokument und Lesedatum. Nutzen Sie die Tabelle als Fragenliste, nicht als Wertevorlage.

ParameterStandardRaw / „ECN“Pro / VIPCent / Micro
KostenmodellKosten meist vollständig im Spread, ohne eigene Provisionszeile – im Preisverzeichnis bestätigenAls Raw deklarierter Spread plus ProvisionAls Raw deklarierter Spread plus reduzierte ProvisionIm Preisverzeichnis nachlesen – der Name entscheidet weder Provision noch Spread
RT-Provisionmeist keine, Kosten im Spread – für Ihr Instrument im Preisverzeichnis bestätigenSatz je Lot – im Preisverzeichnis nachlesenniedrigerer Satz je Lot als bei Raw – im Preisverzeichnis nachlesenmeist keine, Kosten im Spread – für Ihr Instrument im Preisverzeichnis bestätigen
Mindestvolumen und Volumenschrittaus der Spezifikation ablesen (Volume min / Volume step)aus der Spezifikation ablesenaus der Spezifikation ablesenmit der Kontraktgröße aus der Spezifikation ablesen; der Kontoname legt sie nicht fest. Bei 1000 Einheiten Kontraktgröße entsprechen 0,01 Lot 10 Einheiten
Deklarierte Zugangsschwelleaus dem Preisverzeichnis ablesenaus dem Preisverzeichnis ablesenaus dem Preisverzeichnis samt Bedingungen zur Aufrechterhaltung der Schwelle ablesenaus dem Preisverzeichnis ablesen
AusführungsmodellDer Name legt es in keiner Spalte fest – Ausführungsgrundsätze, Informationen über Ausführungsplätze und Kontospezifikation lesen (Abschnitt 9).
Worauf der Name hinweistKosten in einer Zahl – typischen Spread zu Ihren Handelszeiten prüfenZwei Kostenbestandteile – prüfen, ob ihre Summe niedriger ist (Formel, Abschnitt 8)Zugangsvoraussetzung gegen niedrigeren Satz – Folgen des Statusverlusts prüfen; Handelsname, kein regulatorischer StatusKontraktskala – prüfen Sie das Feld Kontraktgröße (Contract size), nicht den Namen
Zwei Konten statt eines. Manche Trader nutzen ein Raw-Konto für den Intraday-Handel und ein separates, nach Swap-Sätzen ausgewähltes Konto für mehrtägige Positionen. Die Trennung ist sinnvoll, wenn beide Profile tatsächlich zu Ihrem Handel gehören und jedes Konto den Vergleich für sein eigenes Profil gewinnt. Ein gesonderter Vorteil ist die Begrenzung des operativen Risikos eines einzelnen Unternehmens; gesonderte Kosten sind doppelt so viele zu lesende Dokumente und einzuhaltende Schwellen.

Eine Sicherung zum Schluss. Mit den Annahmen dieses Abschnitts beträgt der Unterschied zwischen provisionsfreiem und Raw-Konto bei 200 Lots monatlich 9600 USD im Jahr. Das ist ein echter Betrag. Er wird aber von einem Ergebnis abgezogen, das eine Strategie ohne statistischen Vorteil – positiven Erwartungswert über eine Tradereihe – und ohne Risikokontrolle nicht erwirtschaftet. Kostenoptimierung verkleinert den Subtrahenden, erzeugt aber nicht den Minuenden.

9. Marketingfallen

Drei der vier folgenden Fallen folgen demselben Muster: Sie zeigen einen werbewirksamen Parameter und übergehen den für Kosten oder Schutzumfang entscheidenden. Die Abhilfe ist jeweils das Nachlesen im Dokument statt in der Überschrift. Die Ausnahme ist die Wochenendlücke: kein Verkaufstrick, sondern eine bei Kontovergleichen leicht vergessene Eigenschaft von Schutzaufträgen.

„Null Spread“ bei 10 USD Provision

Ein als „Null Spread“ beworbenes Konto kann tatsächlich einen Raw-Spread nahe null haben. Die Round-Turn-Provision kann aber etwa 10,00 USD je Lot betragen – bei einem Standard-Lot EUR/USD entspricht das einem Pip. Ein provisionsfreies Konto mit 0,80 Pips Spread kostet 8,00 USD, also weniger. Das passt zur Formel: Bei 10,00 USD Provision und 10 USD Pipwert müsste die Spread-Differenz 1,00 Pip übersteigen, beträgt aber 0,80. Die Werbebotschaft trennt zwei Bestandteile derselben Kosten und zeigt nur einen. (Werte zur Veranschaulichung)

„ECN“ beschreibt nicht das Ausführungsmodell

„ECN“ ist kein geschützter Begriff. Keine Vorschrift bestimmt, was ein so benanntes Konto enthalten muss oder wohin ein darauf erteilter Auftrag gelangt. Das Etikett allein entscheidet daher nicht, ob ein Auftrag an einen externen Liquiditätspool weitergeleitet oder intern ausgeführt wird. Entscheidend sind die Angaben des Unternehmens in Ausführungsgrundsätzen und Informationen über Ausführungsplätze – ein Dokument, keine Angebotsüberschrift. Fehlt das Dokument oder beantwortet es die Frage nicht, ist dieses Fehlen ein Vergleichsergebnis.

Die tatsächlich erhaltene Ausführungsqualität belegt dagegen die Slippageverteilung Ihrer eigenen Trades. Eine sinnvolle Messung benötigt vier Dinge: einen Referenzkurs (Notierung beim Absenden des Auftrags), einen exakten Referenzzeitstempel mit Zeitzone, die Handelsseite und ein vergleichbares Marktfenster – trennen Sie Datenveröffentlichungsfenster von ruhigen Sitzungen. Berechnen Sie bei einer Stichprobe von hundert bis zweihundert Aufträgen drei überschneidungsfreie Anteile: positive, null und negative Slippage. Slippage allein beweist nichts; ein Signal ist eine beständige Asymmetrie in einer vergleichbaren Stichprobe. Leiten Sie daraus kein Ausführungsmodell ab. Das Messprotokoll gehört in Artikel 12.3, die Mechanik der Modelle in Artikel 12.2.

Die Wochenendlücke – Schutzauftrag bedeutet keinen garantierten Kurs

Ein gewöhnlicher Stop Loss wird zum ersten verfügbaren Marktpreis ausgeführt, nicht zu dem im Auftrag eingetragenen Preis. Nach der Wochenendpause kann der Markt mit einer Kurslücke eröffnen, sodass die Ausführung weit vom vorgesehenen Niveau entfernt liegen kann. Das ist eine normale Eigenschaft dieser Auftragsart und unabhängig vom Namen des Kontos. Bietet der Broker einen Auftrag mit garantiertem Ausführungspreis an, prüfen Sie im Preisverzeichnis die Kosten und die Situationen, in denen die Garantie nicht gilt.

Die Glattstellungsschwelle unterscheidet sich zwischen Konten und hat zwei verschiedene Grundlagen

Die Schwelle, bei der ein Broker Positionen schließt, beruht auf zwei unabhängigen Grundlagen, die auseinanderzuhalten sind. Die erste ist die Vorschrift: Nach der Produktintervention der ESMA und den nationalen Maßnahmen, die sie ersetzt haben, muss ein Anbieter von Differenzkontrakten für Kleinanleger Positionen schließen, wenn die Summe aus Guthaben und nicht realisierten Ergebnissen unter die Hälfte der gesamten Ersteinschussabsicherung fällt.[1] Die zweite ist die eigene Richtlinie des Brokers. Sie kann strenger sein und je nach Kontotyp abweichen. Entnehmen Sie den Wert der Kontospezifikation und klären Sie, welche dieser beiden Grundlagen ihn bestimmt. Eine niedrigere Schwelle ist für sich genommen weder ein Vorteil noch ein Nachteil, sondern eine andere Risikomanagementrichtlinie mit anderen Folgen für Positionen, die nahe an der Margingrenze gehalten werden.

Vier Fallstricke beim Kontovergleich
Gesamtkosten und Unterlagen vergleichen: Eine Schlagzeile entscheidet nichts. Veranschaulichende Beispiele. Ein gewöhnlicher Stop Loss garantiert seinen Preis bei einer Kurslücke nicht.

Warnsignale in Kontobeschreibungen:

  • ein Spread, der nur als „ab“-Wert angegeben wird, ohne typischen oder durchschnittlichen Spread und ohne Angabe des Messzeitfensters;
  • die Bezeichnung eines Ausführungsmodells, ohne dass sich in den Unterlagen eine Auftragsausführungsrichtlinie findet: Ein Name ersetzt kein Dokument;
  • „provisionsfrei“ bei einem Konto, das zugleich als Raw bezeichnet wird: Diese Kombination klärt für sich genommen nichts und ist kein Grund, ein Angebot abzulehnen: Mitunter fällt auf manchen Instrumenten keine Provision an, auf den übrigen dagegen schon. Dieselbe Seite kann beide Formulierungen verwenden und zugleich den Satz angeben. Das ist ein Anlass, das Instrument zu bestimmen und dessen Gebühren im Preisverzeichnis zu prüfen, statt aus einer Formulierung eine Schlussfolgerung zu ziehen;
  • eine symbolische Mindesteinzahlung bei einem Konto namens „Pro“: Für sich genommen ist das kein Angebotsmangel, sondern bestätigt die Funktion des Namens als Handelsbezeichnung. Lesen Sie die Parameter im Preisverzeichnis nach und klären Sie die Kundenklassifizierung gesondert (Abschnitt 7);
  • ein Swap-Free-Konto, das ohne Hinweis auf Ersatzgebühr und Karenzzeit als vollständig frei von Positionshaltekosten dargestellt wird;
  • keine Beschreibung des Ausführungsmodells und der Kursstellungsregeln in den Geschäftsbedingungen: Auch eine fehlende Information ist ein Vergleichsergebnis;
  • ein Hebel, der deutlich über dem liegt, was die an Ihrem Wohnsitz geltenden Ersteinschüsse zulassen, und als Kontomerkmal beworben wird: Prüfen Sie dann die Rechtseinheit, die Rechtsordnung und den Status, unter dem das Angebot verfügbar ist (Abschnitt 7);
  • das Angebot eines Geldanreizes für die Eröffnung oder Einzahlung auf ein Konto: Bei CFDs für Kleinanleger wurden solche Zahlungen durch die Produktintervention der ESMA und die sie ersetzenden nationalen Maßnahmen untersagt[1], sodass ihr Auftreten Fragen zur Rechtseinheit und zur Rechtsordnung aufwirft.

Wenn das Datenblatt aus Abschnitt 8 ausgefüllt und diese acht Punkte geprüft sind, bleibt eine Entscheidung: Welches der beiden Konten gewinnt für Ihr Profil, nachdem Sie die Werte in die Formel aus Abschnitt 8 eingesetzt haben? Liegen beide ähnlich, richten Sie die Frage auf den Bereich, in dem mehr auf dem Spiel steht als ein paar Dollar je Lot: Welche Rechtseinheit hält Ihr Geld, und was geschieht damit, wenn sie ihren Betrieb einstellt? Darum geht es in Artikel 12.7 zur Kapitalsicherheit.

FAQ – Kontotypen bei Forex-Brokern

Ist ein Raw-Konto bei einem Forex-Broker immer günstiger als ein Standard-Konto?
Nein, und das Handelsvolumen entscheidet darüber nicht. Ein Konto mit Provision ist günstiger, wenn die mit dem Pip-Wert multiplizierte Spreaddifferenz die Provision je vollständigem Geschäft übersteigt. Bei einem Standard-Lot EUR/USD mit einem Pip-Wert von 10 USD erfordert eine Provision von 6,00 USD eine Differenz von mehr als 0,60 Pips, eine Provision von 7,00 USD eine Differenz von mehr als 0,70 Pips. Ein Beispiel: Ein Raw-Spread von 0,20 Pips und eine Provision von 7,00 USD ergeben Kosten von 9,00 USD. Ein provisionsfreies Konto mit 0,80 Pips Spread kostet 8,00 USD und gewinnt damit; bei 1,00 Pip Spread kostet es hingegen 10,00 USD und verliert. Der Umschlagpunkt liegt bei einem Spread von 0,90 Pips. Das Kostenverhältnis ändert sich nicht mit der Anzahl der Lots. Das Volumen geht nur über feste Bestandteile wie eine Inaktivitätsgebühr oder die Kosten zur Einhaltung einer Einlagenschwelle beziehungsweise über eine gestaffelte Provision in die Rechnung ein.
Bedeutet ein Swap-Free-Konto, dass das Halten einer Position nichts kostet?
Nein. Der Verzicht auf Swap-Punkte beseitigt die Positionshaltekosten nicht, sondern ändert nur deren Bezeichnung und Erhebungsweise: Je nach Kontobedingungen werden sie zu einer Verwaltungsgebühr je Lot und Tag, einer nach einer Karenzzeit erhobenen Gebühr oder einem in den Spread eingerechneten Aufschlag. Prüfen Sie vier Dinge in den Bedingungen: wodurch der Swap ersetzt wurde und in welcher Einheit, nach wie vielen Tagen die Gebühr anfällt, für welche Instrumente die Befreiung gilt und unter welchen Voraussetzungen sie entfällt. Prüfen Sie außerdem, ob bislang nicht berechnete Punkte laut Bedingungen rückwirkend nachgefordert werden können. Eine vor dem Rollover geschlossene Position erzeugt überhaupt keine Swap-Punkte. Bei über mehrere Wochen gehaltenen Positionen kann die Ersatzgebühr höher ausfallen als der Swap, den sie ersetzen sollte.
Bedeutet ein Konto namens „Pro“, dass ich professioneller Kunde bin?
Nein. „Pro“, „VIP“, „Premium“ und „Prime“ sind vom Broker vergebene Handelsbezeichnungen für Preisvarianten. Die Kundenklassifizierung ist ein eigenständiges aufsichtsrechtliches Instrument. Sie wird in einem gesonderten Verfahren geändert und verändert den Umfang Ihres Schutzes. Einige nationale Aufsichtsbehörden sehen zusätzlich eine Unterkategorie innerhalb der Kleinanlegerkategorie vor: In Polen wurde beispielsweise durch die Aufsichtsentscheidung von 2019 der Status des erfahrenen Kunden geschaffen. Er erlaubt es einem Anbieter, für Währungspaare, die aufgeführten Indizes und Gold einen Ersteinschuss von 1% des Nominalwerts anzuwenden. Dieser Status wird jedoch ausschließlich hinsichtlich der Höhe des Ersteinschusses gewährt. Ein erfahrener Kunde bleibt Kleinanleger und behält den Negativsaldoschutz[3]. Ob es an Ihrem Wohnsitz eine entsprechende Regelung gibt, ist bei Ihrer zuständigen Aufsichtsbehörde zu klären und darf nicht vorausgesetzt werden.
Kann ich den Kontotyp beim Broker wechseln, ohne ein neues Konto zu eröffnen?
Das hängt vom Broker ab. Manche Unternehmen erlauben den Kontotypwechsel im Kundenbereich, andere verlangen die Eröffnung eines neuen Unterkontos und eine interne Umbuchung des Guthabens. Gehen Sie nicht davon aus, dass der Wechsel rein technisch ist. Prüfen Sie drei Dinge: Wiederholt der Broker die Angemessenheitsprüfung oder verlangt er aktualisierte Kundendaten? Müssen für das zweite Konto gesonderte Geschäftsbedingungen akzeptiert werden? Enthalten diese andere Beschränkungen der Handelsweisen, eine andere Mindestguthabenschwelle oder andere Swap-Sätze? Vergleichen Sie beide Regelwerke vor der Zustimmung, nicht erst danach.
Eignet sich ein Cent-Konto zum Testen von Handelsstrategien?
Um den Umgang mit der Plattform, Auftragsarten und den eigenen Prozess zu prüfen: ja. Um die Rentabilität einer Strategie zu beurteilen: nein. Entnehmen Sie das Ausführungsmodell des Cent-Kontos der Auftragsausführungsrichtlinie. Führt der Broker Aufträge aus seinem eigenen Buch aus, können die Bedingungen von denen eines Kontos mit normalem Maßstab abweichen. Das Ausbleiben von Slippage und Requotes auf einem Cent-Konto sagt nicht voraus, was Sie auf einem Raw-Konto erhalten. Eine Strategie mit engem Ziel, deren Vorteil nur einen Bruchteil eines Pips beträgt, kann bei der Übertragung ihren Vorteil verlieren. Nutzen Sie für Forward-Tests ein Konto mit normalem Maßstab und einer Volumenstufe von 0,01 Lot. Vergleichen Sie die Slippage-Verteilungen beider Konten mit derselben Methode.
Wie messe ich die tatsächlichen Kontokosten anhand meiner eigenen Handelsdaten?
Exportieren Sie die Handelshistorie als CSV-Datei. Erfassen Sie für jedes Geschäft den Spread beim Einstieg (Differenz zwischen Ask und Bid), die Provision mit der Angabe, ob sie je Seite oder je vollständigem Geschäft anfällt, die Slippage als Differenz zwischen dem Referenzpreis zum Zeitpunkt der Auftragsübermittlung und dem Ausführungspreis sowie Swap-Punkte, falls die Position einen Rollover durchlaufen hat. Gruppieren Sie die Ergebnisse nach Uhrzeit und Instrument und halten Sie Zeitfenster um Datenveröffentlichungen getrennt. Vergleichen Sie den Median der Kosten je vollständigem Geschäft mit dem Wert aus dem Preisverzeichnis. Legen Sie die Entscheidungsschwelle relativ statt absolut fest: Ergibt dieselbe Vorgehensweise bei einem zweiten Konto unter vergleichbaren Bedingungen für Ihr Profil deutlich niedrigere Kosten, besteht eine Grundlage für einen Wechsel. Die vollständige Messmethodik behandelt Artikel 12.3, die Berechnung der Gesamtkosten behandelt Artikel 12.4.

Quellen und Verweise

  1. Beschluss (EU) 2018/796 der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde vom 22. Mai 2018 zur vorübergehenden Beschränkung von Differenzgeschäften in der Union gemäß Artikel 40 der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates (ABl. L 136 vom 1.6.2018, S. 50). Quelle der Ersteinschussstaffel, des verpflichtenden Negativsaldoschutzes, der Margin-Glattstellungsregel bei 50% des Ersteinschusses, des Verbots monetärer Anreize und der Pflicht zum Risikohinweis. Es handelte sich um eine vorübergehende Maßnahme, die durch weitere ESMA-Beschlüsse verlängert wurde (2018/1636 vom 23. Oktober 2018 und 2019/155 vom 23. Januar 2019) und später durch dauerhafte nationale Maßnahmen einzelner Aufsichtsbehörden ersetzt wurde. Lesen Sie die Maßnahme, die für Ihren Anbieter verbindlich ist. eur-lex.europa.eu. [STAND: 2026-08-24]
  2. Richtlinie 2014/65/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Mai 2014 über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II), insbesondere Anhang II: die Kategorien Kleinanleger, professioneller Kunde und geeignete Gegenpartei sowie Kriterien und Verfahren zur Einstufung eines Kunden als professioneller Kunde auf Antrag. eur-lex.europa.eu. [STAND: 2026-08-24]
  3. Polnische Finanzaufsichtsbehörde (KNF), Entscheidung Nr. DAS.456.2.2019 vom 1. August 2019 zur Beschränkung der Vermarktung, des Vertriebs und des Verkaufs von Differenzkontrakten (CFDs) an Kleinanleger, Amtsblatt der KNF 2019, Pos. 27. Dieser Artikel verwendet sie als ausdrücklich gekennzeichnetes nationales Anwendungsbeispiel: Ersteinschüsse, Negativsaldoschutz, Positionsglattstellung, Status des erfahrenen Kunden, Verbot monetärer Anreize und Vorgaben für Risikohinweise; auch die Entscheidungsbegründung wird zitiert. Sie bindet Anbieter, die Kunden in Polen bedienen, und entfaltet andernorts keine Wirkung. dziennikurzedowy.knf.gov.pl. [STAND: 2026-08-24]
  4. Financial Conduct Authority, „Our Contracts for Difference (CFD) strategy“ – Portfolioschreiben an die Geschäftsleitungen von Unternehmen, die Differenzkontrakte anbieten, 13. Dezember 2024; aufsichtsrechtliche Erwartungen an den Wechsel von Kleinanlegern in den Status professioneller Kunden auf Antrag. Das Dokument betrifft den britischen Markt. fca.org.uk. [STAND: 2026-08-23]
  5. Richtlinie 97/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 3. März 1997 über Systeme für die Entschädigung der Anleger: die Pflicht jedes Mitgliedstaats, mindestens ein System zu betreiben, die Mindestdeckung von 20.000 EUR je Anleger sowie das Herkunftsstaatsprinzip für Unternehmen, die über eine Zweigniederlassung in einem anderen Mitgliedstaat tätig sind. Nationale Systeme können höhere Deckung bieten. Prüfen Sie die Regeln des Systems, dem Ihr Unternehmen angehört. eur-lex.europa.eu. [STAND: 2026-08-24]
  6. Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde, „Registers and Data“ – zentraler Zugang zu den Registern zugelassener Wertpapierfirmen und zum Verzeichnis der zuständigen nationalen Behörden. Damit lassen sich die Rechtseinheit, ihre Herkunftsaufsichtsbehörde und die Grundlage ihrer grenzüberschreitenden Kundenbetreuung feststellen. Das nationale Register der Behörde, die die Rechtseinheit beaufsichtigt, bleibt der maßgebliche Primärnachweis. esma.europa.eu. [STAND: 2026-08-24]

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Jarosław Wasiński

Chefredakteur, ForexMechanics.com • Makro- und FX-Analyst

Unabhaengiger Analyst und Finanzmarkt-Experte mit ueber 20 Jahren Erfahrung an den Finanzmaerkten. Aktiv im Forex-Handel seit 2004, mit Schwerpunkt auf Fundamentalanalyse, der Struktur des OTC-Marktes und disziplinierter Risikosteuerung des Handelskapitals.

  • Gruender und Chefredakteur von MyBank.pl, der seit 2004 verlaessliche Finanzbildung anbietet.
  • Autor hunderter tiefgehender Marktkommentare, struktureller Analysen und Bildungsmaterialien fuer Trader und Investoren.
  • Verfechter der Markttransparenz. Er foerdert eine Ausbildung, die auf belastbaren Daten und institutionellen Berichten (BIS, ESMA, CFTC) basiert.

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